Mal-, Fass und Vergoldetechniken der Kirchenmaler Teil ins immaterielle UNESCO-Kulturerbe aufgenommen

 

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München/Berlin. Die traditionellen Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers wurden am 8. Dezember 2016 nach dem UNESCO-Übereinkommen in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen. Bereits am 10. November waren die Mal-, Fass- und Vergoldetechniken des Kirchenmalers in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen worden.Der Fachgruppenleiter der Kirchenmaler, Restauratoren und Vergolder in Bayern im Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks, Bernhard Mayrhofer, äußerte sich sehr zufrieden nach der Bekanntgabe der Auszeichnung. All das, was heute in historisch überlieferten Denkmälern betrachtet werden könne, sei von Baumeistern, Handwerkern und Künstlern geschaffen worden. So hätten Kirchenmaler seit jeher die Ausgestaltung von sakralen und profanen Gebäuden übernommen. Dies werde heute leider nur noch selten abgefragt. Deshalb gebe es nur noch wenige Handwerker, die dies beherrschten, weil sie über Berufspraxis verfügten. "Können setze Erfahrung voraus".

„Deshalb ist die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes für unser Handwerk so wichtig, insbesondere damit diese traditionellen Techniken stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und die Ausbildung in der jetzigen Form aufrechterhalten werden kann“, erklärt Bernhard Mayrhofer. „Wir sehen die Aufnahme als Wertschätzung für die Bemühungen, die Traditionen der Kirchenmalerei durch die Weitergabe in der Ausbildung für weitere Generationen zu erhalten.“

Ausbildung zum geprüften Restaurator im Handwerk wird Masterabschluss gleichgestellt

Der Zentralverband des deutschen Handwerks überarbeitet derzeit gemeinsam mit Vertretern unter anderem der Fachgruppe Kirchenmaler die bestehende Weiterbildungsverordnung zum „Restaurator im Handwerk“ auf Handwerkskammerebene.  Dadurch entsteht eine neue bundeseinheitliche Fortbildung „Geprüfter/e Restaurator/in im Handwerk“. Voraussetzung für diese Fortbildungsmaßnahme ist die Meisterprüfung. Der Restaurator im Handwerk soll auf dem dritten beruflichen Fortbildungsniveau und damit, ebenso wie der akademische Masterabschluss, auf Niveau 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens angesiedelt werden.  „Damit gibt es eine Ausbildung, die mit der des akademischen Restaurators gleichzusetzen ist, die aber einen anderen Ausführungsschwerpunkt aufweist und inhaltlich angemessen gefüllt werden muss“, erklärt Bernhard Mayrhofer.

Der Schwerpunkt des Handwerks liegt in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Sachsen. Die Fachgruppe Kirchenmaler, Restauratoren und Vergolder im Landesinnungsverband des Maler- und Lackiererhandwerks hat nach Angaben Mayrhofers 45 Mitglieder. Darunter sind Einzelunternehmer, kleine Werkstätten und mittelständische Betriebe mit 50 Mitarbeitern. Bundesweit gibt es rund 200 Betriebe, die hier tätig sind. Jährlich besuchen zehn bis 20 angehende Kirchenmalerinnen und -maler aus dem ganzen Bundesgebiet die Berufsfachschule in München. Überbetriebliche Unterweisungen finden im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Schwaben in Augsburg statt.

Die Auftragslagefür Kirchenmaler sei derzeit gut, so Bernhard Mayrhofer. Hauptauftraggeber sei die katholische Kirche, vor allem in Südbayern, aber auch staatliche Stellen und private Auftraggeber wollten Kulturgüter im Sinne des Denkmalschutzes fachgerecht restaurieren. Sorgen bereite ihm hingegen der persönliche Eindruck, dass in Denkmalämtern oft nur noch akademische Restauratoren und Kunsthistoriker die Maßstäbe der Restaurierungen steuerten. Nur noch wenige könnten die Fähigkeiten von Kirchenmalern und Restauratoren im Handwerk ausreichend beurteilen. Hier gebe es noch einiges zu tun, damit handwerkliche Restauratoren künftig entsprechend bewertet würden.

Hinweis für Redaktionen:

Bernhard Mayrhofer, Fachgruppenleiter der Kirchenmaler, Restauratoren und Vergolder im Landesinnungsverband des bayerischen Maler- und Lackiererhandwerks, steht gerne für Interviews zur Verfügung. Telefon 01 76 / 70 13 01 86